Forced Trauma

Siemens Sanat Istanbul 2013 | Kunstverein Zürich 2012

Im Mittelpunkt der Installation FORCED TRAUMA steht der Film, den Benjamin Egger in der Wäscherei gedreht hat. Dieser setzt sich aus Referenzen und Zitaten der Kunst- und Popwelt zusammen. Benjamin Egger arbeitet zudem mit computererstellten Bildhintergründen, die von Ölgemälden aus dem 20. Jahrhundert inspiriert sind.

Die drei Protagonistinnen des Filmes sind in wohlanständige und biedere Blusen gekleidet und sprechen in massvollem Ton miteinander. Aber ihre rosafarbenen, nach aussen gestülpten Hirne verraten ihre Leidenschaft, ähnlich wie das flammende Hinterteil des fruchtbaren Pavianweibchens: Am liebsten beschäftigen sie sich mit sich selbst. So erzählen die drei Frauen von sich, aber konfrontieren sich auch gegenseitig mit unangenehmen Erkenntnissen und Anschuldigungen.

Sämtliche Dialoge sind Zitate aus zeitgenössischen Songtexten. Mit dem Wissen über den Ursprung der Texte eröffnet sich dem Betrachter eine weitere Betrachtungsebene. Denn das Zitieren von Texten, die schon im Originale das Menschsein reflektieren, verleiht dem Film eine beinahe unerträgliche Doppelbödigkeit. Die Zitate dienen als Orientierung, gleichzeitig wird es nie möglich sein, mit vorformulierten Sätzen zum Kern der eigenen Identität vorzudringen.

So zeugt der Film von einem nicht auflösbaren Widerspruch, wenn der Mensch sich mit sich selbst auseinandersetzt. Benjamin Egger spricht von Gedankenräumen, die er einander gegenüber stellt. Mal reagieren diese direkt aufeinander, mal sind sie in fast surrealer Weise voneinander entkoppelt. Zusammenfassend stellen die Teilerkenntnisse und die gleichzeitige Ratlosigkeit ein gelungenes Abbild der ewigen Suche der Menschen nach sich selber dar, beschrieben in der Sprache und den Bildern unserer Zeit.

Text von Nele Dechmann


Regie, Kamera und Schnitt: Benjamin Egger

Performerinnen: Geraldine Breuleux, Nathalie Lötscher, Bettina Gerber

Audio: Jasmin Wiesli

Helfer: Esther Kempf, Quynh Dong, René Müller, Danique Wiesli, Marcel Bleuler


Gefördert durch die Georges und Jenny Bloch Stiftung